Können Roboter texten?

Vom Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen.

Schon vor einigen Jahren tauchten die ersten Meldungen über eine neue Software auf, die auf Mausklick selbständig Texte produziert. Richtige Sätze mit Subjekt, Prädikat, Objekt und alles in der richtigen Reihenfolge. Dazu verwendet das Programm strukturierte Daten beispielsweise aus den vorhandenen Produktdatenbanken und wandelt sie in einen verständlichen Text um, etwa für einen Online-Produktkatalog. Der Sprachstil oder die Struktur der Texte werden vorab von Menschenhand individuell festgelegt. Inzwischen ist eine Reihe solcher Textroboter auf dem Markt.

Genial, werden jetzt einige sagen, kein langes Suchen mehr nach dem richtigen Begriff, keine wunden Finger mehr vom Tippen, und Textprofis kann man sich jetzt auch sparen. Aber kann die Qualität dieser Texte wirklich überzeugen? Ersetzen Roboter bald den Texter?

Mit Worten umwerben

Thomas Schulte, kreativer Geschäftsführer und Texter bei Hagenhoff, erklärt: „Im Grunde war es nur eine Frage der Zeit, wann Maschinen anfangen, den Menschen das Schreiben abzunehmen. Und nach allem, was man hört, leisten diese Textautomaten sehr gute Dienste.

Nehmen wir einen Satz, wie ihn wohl jeder schon einmal gelesen hat: ‚Der Musterartikel zeichnet sich durch ein hohes Maß an Mustereigenschaft 1 und Mustereigenschaft 2 aus und ist somit bestens für die Musteranwendung geeignet’. Danach kommen noch ein, zwei Produktvorteile, fertig – perfekt für Menschen, die nur mal schnell die nackte Information suchen. Solche einfachen Strukturen können hervorragend von Computern geschrieben werden. Das kann sehr nützlich sein, gerade bei einer großen Anzahl von Produkten, die sich nur in winzigen Details unterscheiden. Denn die Textroboter werden auch bei der tausendsten Beschreibung eines Produkts, das sich nur in Nuancen von einem anderen unterscheidet, nicht müde oder unkonzentriert. Eine notwendige und gute Entwicklung also. Nur: Mit Texten hat das nichts zu tun.“

Der weitaus größte Teil der Texte, mit denen Unternehmen Kontakt zu Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten und der Öffentlichkeit aufnehmen, muss deutlich mehr leisten, als die richtigen Informationen in die richtige Reihenfolge zu bringen. Texten heißt vor allem, mit Worten um den anderen werben. Texten heißt, den Leser verführen, begeistern, überzeugen, umschmeicheln, überraschen, ihn stutzig machen, zweifeln lassen, unterhalten. Texten heißt Spannung aufbauen und Lust auf mehr machen, heißt gewöhnlichen Dingen ungewöhnliche Namen geben – nur um eine ganz bestimmte Reaktion beim Leser zu erzeugen. Das alles kann kein Roboter. Das fällt sogar den meisten Menschen schwer, deshalb gibt es ja den Beruf des Werbetexters.

„Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist der gleiche wie zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen.“
Mark Twain (1835-1910)

Insgesamt drei erfahrene Profis bilden derzeit die Textabteilung von Hagenhoff. Neben Thomas Schulte sind das Silke Boberg und Nadine Schmidt. „Professionelle Texterinnen und Texter kennen nicht nur die Regeln, die einen guten Text ausmachen – sie wissen auch, wie man sie bricht, um einen noch besseren Text zu erzeugen“, bekräftigt Thomas Schulte. „Und: Vollblut-Texter texten nicht nur Headlines, Anzeigen oder neue Produktnamen: Sie entwickeln auch Kommunikationskonzepte und Content-Strategien und geben Marken eine Persönlichkeit.“

Keine Gefahr also durch den Kollegen Computer? Nein, Chatbots und Textroboter sind eher eine sinnvolle Ergänzung in der Kommunikation. Und auch sie können ja nur die Sprache erzeugen, mit der ein Mensch sie gefüttert hat – unsere Texter zum Beispiel.